Nachfolgend erhalten Sie Informationen

zu folgenden Themen:

 

 

  • Die Bezeichnung Sachverständiger
  • Pflichten eines Sachverständigen
  • Aufgabengebiete eines Sachverständigen
  • außergerichtliche Verfahren (Schlichtungsgespräch, Schiedsgutachten, Schiedsgericht)
  • Das Privatgutachten
  • gerichtliches Verfahren (Gerichtsgutachten)
  • Kosten eines Gutachtens
  • Übernahme der Kosten durch die Versicherung
  • Kostenverteilung bei einem Vergleich
  • Sachverständigenverbände

 

 

Die Bezeichnung "Sachverständiger" ist gesetzlich nicht geschützt, so dass sich jeder diesen Titel selbst verleihen darf.

 

Um wirkliche Experten von solchen Anbietern abzugrenzen, sieht die deutsche Gesetzgebung die öffentliche Bestellung vor. Sie bescheinigt einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen, dass er auf einem bestimmten Fachgebiet besonders qualifiziert ist und beim zuständigen Fachverband und Handwerkskammer eine besonderen Sachkunde in einem speziellen Fachgebiet nachgewiesen hat. Die Bezeichnung "öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger" (nachfolgend abgekürzt: "öbuv Sachverständiger" ) ist nach  § 132 a des Strafgesetzbuchs gesetzlich geschützt.

 

Zudem sind öbuv-Sachverständige darauf vereidigt, neutral, unabhängig und unparteiisch zu handelt, die Auftraggeber können sich somit auf deren Ergebnisse verlassen. Ein solches neutrales Gutachten stärkt zugleich den Ruf und die Position des Auftragsgebers. Daher werden öbuv- Sachverständige als Gerichtsgutachter bevorzugt beauftragt, als objektive Entscheidungsgrundlage akzeptiert und hoch geschätzt.

 

Voraussetzung für die Tätigkeit als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger ist eine mehrjährige Berufserfahrung, fachliche Kompetenz, eine überdurchschnittliche fachliche Expertise auf einem speziellen Gebiet und der erbrachte Nachweis einer besonderer Sachkunde. Um die öffentliche Bestellung zu erhalten, müssen sie sich einem aufwändigen Prüfverfahren bei der zuständigen Handwerkskammer und dem jeweils zuständigen Fachverband unterziehen. Während ihrer Tätigkeit stehen öbuv-Sachverständige unter ständiger Aufsicht der Handwerks-

kammer.. 

 

 

Die Pflichten eines öbuv-Sachverständigen
Die Grundpflichten eines öbuv-Sachverständigen sind Objektivität, Neutralität, Unparteilichkeit und Weisungsfreiheit. Hierauf muss er vor der Handwerkskammer einen Eid leisten. Im Vertrauen auf diesen geleisteten Eid werden öbuv-Sachverständige bei Gerichtsverfahren zur Erstellung von Gerichtsgutachten herangezogen. Ein Verstoß gegen seine Pflichten als öbuv-Sachverständiger stellt einen Straftatbestand dar. 

 

Diese Grundpflichten und die entsprechenden Qualifikationen gelten nicht nur für Gerichte, sondern auch für jeden privaten Auftraggeber (Privatpersonen, Firmen, Versicherungen).

 

Sachverständige unterliegen der Schweigepflicht, ihnen ist es untersagt, bei der Ausübung ihrer Tätigkeit erlangte Kenntnisse Dritten unbefugt mitzuteilen oder zum Schaden anderer oder zu seinem oder zum Nutzen anderer unbefugt zu verwerten.

 

Der öbuv-Sachverständige muss sich auf dem Sachgebiet, für das er öffentlich bestellt und vereidigt ist, ständig fortbilden und sein Grundwissen durch zusätzliches Fachwissen erweitern. So wird durch den Besuch von Fachseminaren und Sachverständigen-Tagungen die Qualifikation des Sachverständigen ständig erweitert.

 

Aufgabengebiete des Sachverständigen

Der öbuv-Sachverständige wird sowohl bei gerichtlichen als auch außergerichtlichen Verfahren tätig. In vielen Fällen kann es durchaus sinnvoll sein, dass die Parteien sich außergerichtlich und einvernehmlich auf eine Beilegung der Streitigkeiten verständigen, um eine kosten- und zeitintensive gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden. Mit Hilfe seiner Gutachten können gerichtliche Streitig-keiten vermieden oder falls es dazu kommen sollte, richtige und gerechte Entscheidungen getroffen werden.

 

Die Aufgabengebiete eines Sachverständigen sind   

  

  • Durchführung eines Schlichtungsgespräches
  • Erstellung eines Schiedsgutachtens
  • Durchführung eines schiedsrichterlichen Verfahrens
  • Erstellung von Privatgutachten für Privatpersonen, Firmen und Versicherungen
  • Erstellung von Gerichtsgutachten

 

 

Beim außergerichtlichen Verfahren gibt es unter Einbeziehung eines öbuv-Sachverständigen und beider Parteien drei Möglichkeiten:

 

  • Schlichtungsgespräch
  • Schiedsgutachten
  • Schiedsgericht 

 

Die erste Möglichkeit wäre ein Schlichtungsgespräch in Anwesenheit beider Parteien, bei dem ich als Berater bzw. Schlichtungsinstanz beiwohne. Hier kann schnell und für beide Seiten eine Lösung gefunden werden, ohne dass der Streit eskaliert. Aufgabe und Ziel des öbuv-Sachverständigen in einem Schlichtungsgespräch ist es, die Parteien bei einer einvernehmlichen Beilegung der Unstimmigkeiten zu unterstützen,  den Sachverhalt zu klären, fachliche Fehler, Forderungen und Lösungsvorschläge zu besprechen und Missverständnisse auszuräumen. Der öbuv-Sachverständige moderiert den Einigungsprozess als neutrale und fachlich versierte Person.

 

Am Ende des Schlichtungsgespräches erfolgt grundsätzlich eine Empfehlung an die teilnehmenden Parteien. Es erfolgt keine schriftliche Schiedsvereinbarung und es wird kein Schiedsurteil getroffen.

   

 

Beim Schiedsgutachten dient der öbuv-Sachverständige als Schiedsgutachter und erstellt ein neutrales und unabhängiges Schiedsgutachten. Beim Schiedsgutachten wird keine rechtliche Entscheidung getroffen und kein Urteil gesprochen, sondern ein Gutachten mit verbindlichen Feststellung von Tatsachen erstelltAn diese Begutachtung sind auch Gerichte in einem späteren Verfahren gebunden, es sei denn, die Begutachtung ist offensichtlich unrichtig.

 

Auf Basis dieses Schiedsgutachtens ist die Aufgabe des öbuv-Sachverständigen, mit beiden Parteien in einem gemeinsamen Gespräch (gemeinsamer Ortstermin), Vorschläge zu erarbeiten und einen gemeinsamen Einigungs- und Lösungsprozess zu finden. Die Vereinbarungen beider Parteien werden in Form eines Schiedsgutachtens schriftlich dokumentiert.

 

Die Kosten des Sachverständigen sind von allen Beteiligten anteilig zu tragen. Die Vergütung für die schiedsgutachterliche Tätigkeit kann frei vereinbart werden. Die Auswahl des Schieds-gutachters kann durch die Parteien oder durch die Handwerkskammer erfolgen.

 

 

Beim Schiedsgericht wird nicht nur ein Gutachten mit Feststellung von tatsächlichen Sachverhalten (Schiedsgutachten) verlangt, sondern eine Konkretisierung der Rechtslage mit einer anschließenden verbindlichen Rechtsentscheidung, mit Wirkung eines rechts-kräftigen gerichtlichen Urteils (Schiedsurteil), ist eine schieds-gerichtliche Entscheidung angebracht. Hier trifft der öbuv Sachverständige als Schiedsrichter in einem Schiedsgericht anstelle des staatlichen Gerichts ein rechtsverbindliches Schiedsurteil/ Schiedsspruch, der unter den Parteien die Wirkung eines rechts-kräftigen gerichtlichen Urteils hat; die Parteien unterwerfen sich der Entscheidung des Schiedsgerichtes und erkennen sie als rechts-verbindlich an. Alternativ kann das Verfahren durch einen Vergleich beendet werden.  

 

Ein späteres gerichtliches Verfahren ist ausgeschlossen. Der Schieds-spruch/ die Schiedsvereinbarung ist für beide Parteien rechts-verbindlich und wirkt wie ein gerichtliches Urteil. Eine spätere Klage würde daher vom staatlichen Gericht als unzulässig abgewiesen werden, es sei denn, das Gericht stellt die Unwirksamkeit der Schiedsvereinbarung fest.


Die Zahl der Schiedsrichter kann zwischen den Parteien vereinbart werden. Soweit mehrere Schiedsrichter bestellt sind, ergeht die Entscheidung auf Mehrheitsbasis. Soweit eine Regelung fehlt, greifen hilfsweise die gesetzlichen Bestimmungen zur Zusammensetzung des Schiedsgerichtes aus §§ 1034f. ZPO.  

 

Voraussetzung für die Durchführung eines schiedsgerichtlichen Verfahrens ist der Abschluss einer schriftlichen Schiedsvereinbarung (Schiedsabrede) zwischen den Parteien. Die Vergütung für die Schiedsrichtertätigkeit kann frei vereinbart werden.

 

 

Privatgutachten (Parteigutachten) 

Sollte eine der Parteien weder einem Schlichtungsgespräch, noch ein Schiedsgutachten oder ein schiedsgerichtlichen Verfahren zustimmen, gibt es die Möglichkeit eines Privatgutachtens, welches Sie zur Bekräftigung der Durchsetzung Ihrer Ansprüche sowohl im außergerichtlichen als auch gerichtlichen Verfahren verwenden können.

 

Gerichtsgutachten

Scheitern alle Versuche zu einer gütlichen Einigung und kommt es zu

einem gerichtlichen Verfahren, beauftragt das Gericht zur Klärung der Sachfragen einen öbuv-Sachverständigen zur Erstellung eines Gerichtsgutachtens.

 

Ein Gerichtsgutachten dient als Hilfe zur Entscheidungsfindung für den Richter. Der öbuv-Sachverständige unterstützt durch sein Gerichts-

gutachten den Entscheidungsprozess der Gericht, dient als Beratung

und Helfer des Richters, wirkt aber nicht an der eigentlichen Entscheidung/Urteil mit. 

 

 

Die Kosten eines Gutachtens

Die Höhe der Gesamtkosten eines Gutachtens ist abhängig von der Höhe des Sachverständigen-Honorars, vom Aufwand der Gutachten-erstellung, z.B. wie umfangreich die Ausarbeitung des Gutachtens ist, wieviel Seiten das Gutachten umfasst, wieviel Zeit die Inaugen-scheinnahme in Anspruch nimmt, von notwendigen Korrespodenzen, ob Anfahrts- oder Übernachtungskosten anfallen...

 

Die Höhe des Honorars eines Sachverständigen hängt davon ab, ob der Sachverständige vom Gericht oder von privater Seite mit der Erstattung eines Gutachtens beauftragt wird.  

 

Wird der Sachverständige vom Gericht mit der Erstattung eines Gutachtens beauftragt, findet das JVEG (Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz) Anwendung, in dem für jede Berufsgruppe bestimmte Honorare festgelegt sind und welche Kosten in welche Höhe berechnet werden dürfen.  

 

Wird der Sachverständige von privater Seite (Verbraucher, Unter-nehmen, Versicherung etc.) mit der Erstattung eines Privatgutachtens beauftragt, gibt es keine verbindliche Gebührenordnung; hier kann der Sachverständige bei Vertragsabschluss den Umfang und Höhe seines Honorars und aller weiteren Kosten frei bestimmen.

 

Die Kosten eines Gutachtens liegen je nach Aufwand und Umfang bei 400,- bis ca. 1.500,- €.  

 

Ich erstelle Ihnen gerne einen Kostenvoranschlag.

 

 

Übernahme der Kosten durch die Versicherung

Fragen Sie bei Ihrer Versicherung (Rechtsschutzversicherung, Privat- oder Berufshaftpflichtversicherung) nach, ob die Kosten für ein Privatgutachten und/oder die Kosten für ein gerichtliches Verfahren übernommen werden. Dies ist von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich und oftmals davon abhängig, ob es sich um ein gerichtliches oder außergerichtliches Verfahren handelt, von der Art des Schadens und den Versicherungsbedingungen.

 

In der Regel werden bei gerichtlichen Verfahren (Klage, selbständiges Beweisverfahren) die Kosten für den Anwalt und auch für das Gutachten von der Versicherung übernommen. Bei außergerichtlichen Verfahren werden meist nur die Anwaltskosten übernommen, so dass Sie die Kosten für ein Privatgutachten selbst zu tragen haben. 

 

   

Kostenverteilung bei einem Vergleich

Kommt es bei einem Gerichtsverfahren zu einem Vergleich, hat jede Partei die Gerichtskosten zur Hälfte und alle weiteren Kosten, wie Anwaltsgebühren und sonstige Kosten selbst zu tragen.  

 

Kommt es bei einem Schiedsgutachten oder Schiedsgericht zu einem Vergleich, haben beiden Parteien die Kosten des Schiedsgutachtens bzw. Schiedsgerichts zur Hälfte und weitere Kosten (Anwaltsgebühren des eigenen Anwaltes und sonstige Kosten) selbst zu tragen.


 

Sachverständigenverbände

In Deutschland relevante Sachverständigenvereinigungen sind 

 

  • der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS),
  • der Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter (BDSF)
  • der Berufsfachverband für das Sachverständigen- und Gutachterwesen (BSG).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

Hier gelangen Sie zur  

 

bundeseinheitlichen  

Sachverständigen-Datenbank 

des Handwerks

 

 

 

 http://www.gfwh.de

Gesellschaft zur Förderung der Weiterbildung im Handwerk mbH

 

 In dieser Datenbank sind alle  

öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständige der Handwerkskammern Deutschlands eingetragen.